Selbstverstretung
Selbstvertretung heißt, dass Menschen mit Behinderungen für ihre Rechte sprechen. Für Leute, die nicht sprechen können, kann das heißen, dass jemand anderer sie darin unterstützt, was sie sagen wollen. Menschen mit Behinderungen sollten das Recht haben, für sich selbst zu sprechen und andere Menschen über ihre Rechte zu unterrichten.
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Thema Selbstvertretung
Mein Name ist Hubert. Ich bin seit 10 Jahren bei der Lebenshilfe Kärnten in Ledenitzen. Im Jahr 2007 hat sich mir die Chance geboten, als Selbstvertreter im Selbstvertreterbeirat der Lebenshilfe Österreich zu arbeiten. Der Beirat setzt sich wie folgt zusammen: Aus jedem Bundesland, in dem es die Lebenshilfe gibt, sind jeweils zwei SelbstvertreterInnen Mitglieder des Beirats. Gemeinsam mit einem Kollegen aus Klagenfurt, Kurt Wieser, bin ich für Kärnten zuständig.
Ich bin froh, dass sich ein Unterstützer bereit erklärt hat, uns bei der neuen Aufgabe als Selbstvertreter zu unterstützen wie z.B. bei den Vorbereitungen für die Reise zu den jeweiligen Sitzungen des SeVe-Beirates und anderen Dingen, bei denen man Hilfe braucht. Zwischen dem SeVe-Beirat und den Unterstützern hat sich eine sehr gute Zusammenarbeit entwickelt.
Es hat sich sehr vieles getan in den letzten Jahren im Beirat, so haben wir beispielsweise das Moderieren selbst übernommen. Die Unterstützer sind bei den Sitzungen draußen, das haben wir so beschlossen. Wenn jemand seinen Unterstützer aber dabei haben möchte, dann kann dieser jederzeit an der Sitzung teilnehmen. Sonst sind nur der Protokollschreiber und die Moderatorin, Eva Schrammel, anwesend bei den Sitzungen.
Der Selbstverteter-Beirat setzt sich für Menschen mit Behinderungen ein. Wir kämpfen für unsere Rechte.
Unsere Forderung zum Bereich Arbeit :
- Wir wollen einen gerechten Lohn für unsere Arbeit und kein Taschengeld!
- Wir fordern Pensionsanspruch für alle Menschen, egal ob sie in den Werkstätten arbeiten oder am ersten Arbeitsmarkt!
- Wir wollen die Möglichkeit haben, sowohl in normalen Firmen als auch in Werkstätten zu arbeiten!
- Wir fordern, dass alle Arbeitsplätze zugänglich sind: man muss auch mit dem Rollstuhl Zugang zum Arbeitsplatz haben.
- ArbeitskollegInnen sollen Rücksicht auf ArbeitnehmerInnen mit Behinderungen nehmen.
- Zur Ausgleichtaxe: Wir fordern härtere Strafen bei Nicht-Einstellung von Menschen mit Behinderungen.
Unsere Forderungen zum Bereich Barrierefreiheit:
- Wir fordern, dass generell leichte Sprache verwendet wird. Öffentliche Papiere und Gesetzestexte sollten prinzipiell in leichter Sprache verfasst, mit Zeichnungen versehen und in einer großen Schriftgröße gedruckt sein, so können sie von allen verstanden werden.
- Öffentliche Gebäude und Einrichtungen sollen voll zugänglich sein. Wenn ein Gebäude denkmalgeschützt ist, sollte die öffentliche Einrichtung in ein barrierefreies Gebäude übersiedeln.
Selbstbestimmung und Mitbestimmung
- Wir wollen bei der Entwicklung von neuen Gesetzen einbezogen werden: SelbstvertreterInnen sollen eingeladen werden, wenn neue Gesetze geplant und besprochen werden.
- Wir wollen beim Bauen und Planen von Einrichtungen gefragt werden!
- Wir fordern ein Budget für den Aufbau und die Unterstützung von Selbstvertretergruppen.
Wohnen und Unterstützen
- Wir wollen selbst bestimmen, wo, wie und von wem wir unterstützt werden!
- Gute Unterstützung entspricht unseren Wünschen und Bedürfnissen. Sie sollte nicht am Geld scheitern!
- Wir wollen wohnen, wo wir möchten.
- Wir wollen an dem Ort alt werden, wo wir möchten.
Seit ich den Selbstvertreter mache, bin ich selbstbewusster geworden. Mir bedeutet die Aufgabe sehr viel, weil ich mich für Menschen, die sich vielleicht nicht so ausdrücken können wie ich, einsetzen kann.
Ich habe an einer Moderatorenschulung von „Selbstbestimmt Leben“ Innsbruck teilgenommen. Wir haben ein Netzwerk, das „Netzwerk Selbstvertretung Österreich“ gebildet, unser Logo ist der Einser. Ich würde mir wünschen, dass wir in Kärnten besser vernetzt wären. Ein Vorschlag wäre, dass sich die Gruppensprecher jedes Standortes regelmäßig untereinander austauschen, damit der Informationsfluss ins Rollen kommt. Ich habe vor Broschüren und Piktogramme zu entwerfen, um auch Menschen, die sich nicht so gut verbal verständigen können die Möglichkeit zu bieten, sich auszudrücken. Gut wäre es auch, Email-Adressen und Telefonnummern auszutauschen, denn es geht um uns und andere Menschen mit Lernschwierigkeiten. Wenn wir Anerkennung in der Gesellschaft wollen, müssen wir uns bewegen. Wir konnten schon sehr vieles erreichen, wir waren bei Veranstaltungen und Kongressen. Das SeVe Wochenende in Matrei ist immer wieder eine neue Herausforderung für mich als Vertreter Kärntens. So habe ich heuer vier Tage am Selbstvertreter-Wochenende in Matrei teilgenommen, wo ich die Moderation übernommen habe. Bei diesem Wochenende gab es auch eine Aktion in Innsbruck. Das Motto lautete: Reißt die Mauern nieder!
Die ganzen Treffen erfüllen mich immer wieder mit Kraft, um weiter zu machen. Es gibt viele Menschen mit Lernschwierigkeiten, die aus ihrem Leben mehr machen könnten, wenn sie wüssten, wie es geht. Mit Unterstützung und Selbstvertrauen geht sehr viel weiter!
Natürlich braucht man Geduld, um ans Ziel zu kommen, ich bin ja auch ein Mensch der Unterstützung braucht, ich habe lange gebraucht, bis ich mich mal bewegt hatte, aber man kann es lernen, seine Interessen umzusetzen. Bitte, wenn ihr durch diesen Artikel Mut fassen könnt, schickt mir eure Ideen! Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur Antworten! Versuchen wir, unser Netzwerk zu bauen, nur gemeinsam sind wir stark. „Geht nicht, gibt's nicht“, wenn man sich Unterstützung holt, wo man sie braucht. Wir sind jeder ein Kopf mit was drin, man sollte sich nur trauen, den Kopf zu benutzen und unter Leute zu gehen. Auch wenn die Ablehnung durch große Teile der Gesellschaft schmerzhaft ist, sollte man sich nie unterbuttern lassen. Jeder Mensch mit Behinderungen hat Fähigkeiten die er benutzen sollte. Zeit wird’s, das was weiter geht!!
Hubert Raunjak

- Kurt Wieser, Selbstvertreter der Lebenshilfe Kärnten
Mein Name ist Kurt und ich bin 48 Jahre alt.
Ich bin seit 25 Jahren bei der Lebenshilfe Kärnten in Klagenfurt.
Seit dem Jahre 2007 bin ich im Selbstvertreterbeirat, wobei es von jedem Bundesland zwei Selbstvertreter gibt.
Wir werden innerhalb dieses Beirates unterstützt und es gibt immer eine Menge Arbeit. Als Selbstvertreter habe ich gelernt, immer ein offenes Ohr zu haben, immer gut zuzuhören, da kann man dann auch viel Neues dazulernen.
Da es im Selbstvertreterbeirat immer wieder Sitzungen gibt und wir reisen müssen, muss man vorher viel vorbereiten. Bei den Sitzungen wird dann viel über verschiedene Themen diskutiert.
Wir kämpfen nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen Menschen mit und ohne Behinderungen, um ihre Rechte durchzusetzen.
Rechte z.B. bei der Arbeit, in Geldangelegenheiten, bei Pensionsansprüchen. Es sollen viel mehr geschützte Arbeitsplätze geben. Auch mehr öffentliche Einrichtungen, die barrierefrei gebaut werden. Die öffentlichen Verkehrsmittel sollten leichter zugänglich sein und die Pläne etc. in der Leichter Lesen Version geschrieben werden.
Ein großer und wichtiger Themenschwerpunkt bei den Selbstvertretern ist das Mit- und Selbstbestimmungsrecht. Bevor z.B. gebaut wird, sollten Meinungsumfragen bei Menschen mit und ohne Behinderungen betreffend Planung etc. eingeholt werden.
Als Selbstvertreter für die Lebenshilfe Kärnten wünsche ich allen viel Vergnügungen beim Lesen.
Euer Kurt Wieser


