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Die Hühner sind los

Esmeralda, Josefine und Agatha widerlegen den schlechten Ruf „Hühner sind dumm“. Denn sie sind als äußerst feinfühlige und intelligente Therapiehennen im Einsatz auf der Lebensalm.

Hühner als Tiertherapie für Menschen im hohen Alter, und dann stolzieren diese Nutztiere noch auf den Tischen im Haus? Kann das gut gehen? Und wie! Alle vierzehn Tage reist respekTIERt-Tiertherapeut Martin Sadounik auf die Lebensalm, bepackt mit einer riesigen, mit Luftlöchern versehener Transporttasche, aus der es hin und wieder gackert. „Hühner sind für Senioren meist vertraute Tiere. Sie kennen sie noch aus ihrer Kindheit vom Hof. Mit ihren schrulligen Bewegungen und ihrem prächtigen Gefieder ziehen sie gleich die Aufmerksamkeit auf sich“, erklärt der Tiertherapeut. 
Hühner eigenen sich wahrhaftig sehr gut für Therapien. Sie vermitteln keinen gefährlichen Eindruck und bauen sehr schnell eine Verbindung zum Menschen auf. Laut Andrea Urban, Pflegedienstleitung der Lebenshilfe Kärnten, zeigen insbesondere die Hühnertherapien große Erfolge: „Die Hühnertherapie ist für unseren Demenzfokus eine perfekte Ergänzung. Die Teilnehmenden sind nach der Therapie ganz ruhig und emotional ausgeglichen, dass sogar Medikamente reduziert werden können!“ 

Doch wie sieht diese Therapie auf der Lebensalm genau aus? Im Aufenthaltsraum werden Tische in einer U-Form angeordnet und über die gesamte Tischbahn ein Hühnerparcours mit kleinen Treppen, Hüpf-Hindernissen und Miniatur-Slalom-Kegeln aufgebaut. Die sieben bis neun Teilnehmenden der Lebensalm sitzen auf einer Seite des Tisches, sozusagen den gesamten Parcours entlang. Dann ist es soweit, die Hühner werden auf die Tische gehoben. 
Um die ersten Berührungsängste zu lösen, bekommen alle Teilnehmenden eine Handvoll Körner. Es braucht kein Kommando mehr und schon fangen die Seniorinnen und Senioren an, in motorischer Feinarbeit mit ihren Fingern Futterwege und kleine Körner-Haufen zu formen, um die Hühner zu locken. Danach bekommen sie einen kleinen Becher mit Stiel, quasi eine kleine Plastik-Pfanne, um gut greifen zu können. Die Aufgabe: die Hühner gemeinsam durch den Parcours zu führen. So wird der Futterkelch von Bewohner zu Bewohner weitergereicht.  „Höher, die Hände höher! Josefine muss hinaufhüpfen,“ animiert Martin Sadounik und schon hebt die Lebensalm-Bewohnerin ihre Arme, die noch vorher steif zusammengefaltet im Schoß lagen – und sie lacht dabei, als Josefine durch ihre Führung auf das Hindernis hüpft. Das verdient einen „stillen Applaus“ – ebenso eine motorische Geste, bei der die Arme hochgehoben und die Hände auf und zu gepumpt werden – jeder am Tisch macht mit. Durch das Durchlotsen, die Interaktionen mit den Hennen und das Weiterreichen des Futters an den Sitznachbarn sind die Seniorinnen und Senioren sowohl motorisch als auch geistig gefordert, ohne dabei eine enorme Anstrengung zu verspüren.
Dazwischen gibt es immer wieder Spezial-Übungen für die Hennen. Herr Sadounik hat seinen tierischen Therapeuten charakteristische Namenszusätze vergeben. So pickt die Tierschutzbeauftragte Esmeralda PET-Flaschen mit Aufdruck „Käfighaltung“ um, und auch die beiden anderen Hennen Josefine, die Intelligente, und Agatha, die Eigenwillige, erledigen typgerechte Aufgaben. 

Mit einem „Pecker“ der Henne auf ein Glöckchen am Ende des Parcours ist der Hindernislauf beendet. Aber die Hühner dürfen noch kurz auf den Tischen bleiben. „Genau das ist die Zeit der magischen Momente! Hier passieren die Interaktionen“, so Martin Sadounik. Und tatsächlich, es wird gelockt, gegackert - insbesondere die Menschen – gestreichelt und gefüttert. Aber ohne Aufregung, denn man will ja die Tiere nicht verschrecken.